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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Thüringen

28.09.2010
"Clean Labeling" bei Lebensmitteln
Verbraucherzentrale Thüringen kritisiert Werbeaussagen: Nicht jeder ausgelobte Verzicht auf Zusatzstoffe ist ein wirklicher Verzicht

Der Verzicht auf Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Farb- und Konservierungsstoffe liegt in der Lebensmittelproduktion voll im Trend. Hersteller verpassen Getränken, Milchprodukten, Tiefkühlkost und Fertiggerichten durch ein weitgehendes "Nein zum Einsatz von Zusatzstoffen" ein natürliches Image und machen dies auf ihren Produkten mit so genannten "Clean Labels" deutlich. "Jedoch sind die so gekennzeichneten Lebensmittel oft längst nicht so ursprünglich und frei von Zusatzstoffen, wie dies auf der Verpackung suggeriert wird", kritisiert Petra Müller von der Verbraucherzentrale Thüringen. "Vielfach werden missliebige Zutaten kurzerhand durch scheinbar unverfängliche ersetzt. Die Aufwertung von Lebensmitteln durch Clean Labels ist ein geschicktes, jedoch hinsichtlich der Produktqualität oft überflüssiges und nichtssagendes Marketinginstrument." Zu diesem Ergebnis kommen die Verbraucherzentralen nach einer Überprüfung von 151 mit Clean Labels ausgezeichneten Produkten aus 12 Lebensmittelgruppen. Bislang fehlen bei der industriellen Produktion von möglichst naturbelassenen Lebensmitteln nach Ansicht der Verbraucherschützer europaweit einheitliche Kennzeichnungsvorgaben, die Konsumenten beim Kauf eine hilfreiche Orientierung bieten.
"Clean Labeling" bezeichnet das Bestreben der Lebensmittelindustrie, bei verarbeiteten Produkten auf Inhaltsstoffe mit E-Nummern zu verzichten und diese durch andere Stoffe zu ersetzen. Kennzeichnungen auf der Verpackung, wie etwa "ohne künstliche Geschmacksverstärker" oder "ohne Konservierungsstoffe", sollen Konsumenten mit einem Blick deutlich machen, dass es sich um ein "natürlich" hergestelltes Lebensmittel handelt. Um diesen Eindruck zu rechtfertigen, bedienen sich die Hersteller in den Augen der Verbraucherzentrale Thüringen eines geschickten Tricks: Bei vielen Produkten werden die Stoffe einfach durch andere Zutaten ersetzt, die eine ähnliche Wirkung haben, jedoch nicht als Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen.
So wurden bei 68 Produkten, die laut Verpackungsangabe auf Geschmacks-verstärker wie Glutamat verzichten, andere geschmacksverstärkende Zutaten, wie zum Beispiel Hefeextrakte verwendet. Doch Hefeextrakte enthalten ebenfalls Glutamat, was jedoch nicht explizit gekennzeichnet werden muss. Beim Einsatz von Farbstoffen erhielten rund zwei Drittel der untersuchten Lebensmittel ihr farbliches Aussehen ausdrücklich nicht durch künstliche Farbstoffe, sondern ebenfalls durch andere Zutaten wie etwa Rote-Beete-Saft oder Spinatpulver. Auch bei der Verwendung von Aromen griffen die Hersteller in die Trickkiste: Bei sieben von zehn Produkten, die laut Etikett "ohne künstliche Aromen" hergestellt wurden, verwendeten sie stattdessen Geschmackstoffe, die nicht als künstlich gelten, jedoch trotzdem aus dem Labor stammen. Besonders verwirrend und unüberschaubar ist der Wildwuchs an verwendeten Formulierungen, 59 unterschiedliche Bezeichnungen bei 151 Produkten!
Fazit des Clean-Labeling-Checks der Verbraucherzentralen: "Eine höhere Qualität bei Lebensmitteln, die explizit auf die Nichtverwendung von Zusatzstoffen hinweisen, ist kaum erkennbar. Produkte ohne entsprechende Kennzeichnung enthalten oft nicht mehr oder weniger Zusatzstoffe als die explizit gekennzeichneten. "Bei dem derzeit vorherrschenden Kennzeichnungswirrwarr tragen die angeblich "sauberen" Label eher dazu bei, Verbraucher beim Kauf eine falsche Verlässlichkeit vorzugaukeln", rügt Petra Müller von der Verbraucherzentrale Thüringen. Sie fordert vom Gesetzgeber klare rechtliche Regelungen für die Gestaltung und Verwendung von Clean Labels zu schaffen und Schlupflöcher zu schließen. So sollte auf einer Verpackung etwa die Angabe "ohne Geschmacksverstärker" nur dann zulässig sein, wenn weder Geschmacksverstärker noch Ersatzstoffe in der Herstellung verwendet werden.
Den Bericht "Ohne Zusatzstoffe - Clean Labeling: Werbeaussagen kritisch beleuchtet" gibt es als kostenlosen Download unter www.vzth.de/cleanlabels .


Für weitere Informationen:
Petra Müller
Tel. 0361 55514-0


Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Thüringen e.V.,Eugen-Richter-Straße 45, 99085 Erfurt
Sie finden es im Internet unter: http://194.245.141.86/link790571A.html